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Lassen Sie mich mit einem kleinen Blick auf die andere große Religion, die eine Gott verehrt,

den Islam, beginnen. Im Religionsunterricht lernt man das: Vom Minarett aus ertönt der Ge-betsruf des Islam fünfmal am Tag. Zum ersten mal bei Tagesanbruch und dann viermal zu festgelegten Stunde wird das Adhan gerufen. Das arabische Wort Adhan heißt: zuhören, in-formiert sein, ganz Ohr sein. Und gerufen wird: „Gott ist groß. Gott ist größer als alles und mit nichts vergleichbar.“ Gott ist groß, ein Ruf, dem wir zustimmen könnten. Doch jetzt zu uns Christen. Was vielen bei uns nicht mehr so vertraut ist: 3x am Tag morgens, mittags und abends läuten die Kirchenglocken. Es läutet den Angelus. Der Anfang des Angelus-Gebetes lautet lateinisch Angelus domini= Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft. Dreimal am Tag werden wir eigentlich an Weihnachten erinnert Was wir heute fei-ern, wird sozusagen dreimal täglich durch die Glocken von unseren Kirchtürmen gerufen: Das Wort ist Fleisch geworden - Gott ist Mensch geworden - Gott hat sich eingefleischt in unser Menschsein. Und wenn dreimal die Glocken diese Botschaft über unseren Dörfer und in unsere Häuser hinein ertönen lassen, heißt das ja auch: Gott will heute Mensch werden, Gott will Einzug halten in unsere Herzen und Häuser, in unser Denken, Reden und Tun. Das Engel-des-Herrn-Gebetes gliedert sich in drei Schritte. Das können drei Schritte für uns Christen sein:

1. Ansage: Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft und sie empfing durch das Wir-ken des Heiligen Geistes. Am Anfang steht die Ansage, das Wort Gottes. Der Engel des Herrn bringt dir und mir die Botschaft und wenn wir auf Empfang sind, kommt etwas vom Heiligen Geist bei dir und mir an.

2. Zusage: Maria sprach: Siehe ich bin die Magd des Herrn. Mir geschehe, wie du gesagt hast. Nach der Ansage kommt die Zusage, nach dem Wort kommt die Antwort. Schau her, Gott, ich will versuchen, mich in deinen Dienst stellen zu lassen. Ich bin bereit, mich auf das einzulassen, was du mit mir heute vorhast.

3. Zuspruch: Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt. Das Dritte nach der Ansage und der Zusage also der Zuspruch, nach Wort und der Antwort seht Gott zu seiner

Verantwortung. „Gott ist im Fleische“ singen wir im Lied. Und es heißt für dich und mich: Das Wort wird heute in uns Fleisch und will heute in uns wohnen, in uns lebendig sein, in uns wirken. Machs wie Gott: Werde Mensch! So formulierte es einmal an Weihnachten der frühere Limburger Bischof Franz Kamphaus. Vielleicht gelingt es uns ja in den kommenden Tage, beim Angelusläuten ganz Ohr zu sein. Ganz Ohr sein, wie der fünfmalige Gebetsruf im Isalam einlädt. Hinhören,sich informieren, ganz Ohr sein. Machs wie Gott-werde Mensch! Vielleicht wird der Ruf unserer Glocken dreimal täglich zum weihnachtlichen Mutmacher:

- Machs wie Gott: Hilf mit, dass es heller wird in der Welt!
Denn es gilt immer noch das Licht von der Finsternis zu scheiden.

- Machs wie Gott: Lass deine schöpferische Phantasie spielen!
Denn wir sollen nicht untätig in die Weltuntergangsstimmung mit einstimmen.

- Machs wie Gott: Hege und pflege deine kleine Welt!
Denn längst ist nicht alles gut, was der Mensch macht.

- Machs wie Gott: Halte inne und gönne dir Ruhe!
Denn als Gott die Zeit gemacht hat, hat er eigentlich genug davon gemacht.

- Machs wie Gott: Lass das Wort der Hoffnung nicht verstummen!
Denn wie sonst soll heute der Engel des Herrn sich zu Wort melden?

- Machs wie Gott: Wende dich den Stillen im Lande zu!
Denn wo lautstark Parolen und Programme ertönen, da ist nicht der Stallgeruch Gottes.

- Machs wie Gott: Lass seinen Stern aufgehen!
Denn im Schilderwald unserer Tage braucht es ganz dringend weihnachtliche Wegweiser.

- Machs wie Gott: Werde Mensch!
Denn wo anders will Christus heute geboren werden als in Dir?

 

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